Long Covid Therapie in der Physiotherapie – so kann dir PhysioBasel helfen
- Stefano Limone
- vor 6 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
„Ich war früher jeden Tag joggen – heute schaffe ich nicht mal mehr die Treppe ohne Pause." Sätze wie diesen hören wir in der Physiotherapie seit der Pandemie immer wieder. Die Akutinfektion ist längst vorbei, die Tests sind negativ – und trotzdem ist von der alten Belastbarkeit nichts mehr übrig.
Wenn du das kennst, bist du nicht allein. In diesem Beitrag zeigen wir dir, was Long Covid aus physiotherapeutischer Sicht bedeutet, welche Therapieansätze sich in der Praxis bewährt haben – und wann es sinnvoll ist, die Physiotherapie mit weiteren Therapieformen zu kombinieren.

Was Long Covid für deinen Alltag bedeutet
Long Covid ist keine einheitliche Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für Beschwerden, die nach einer Covid-19-Infektion über Wochen oder Monate anhalten. In der physiotherapeutischen Praxis sehen wir vor allem folgende Muster:
Anhaltende Erschöpfung (Fatigue), die durch Schlaf nicht besser wird
Post-Exertional Malaise (PEM): Die Symptome verschlechtern sich – oft zeitverzögert – nach körperlicher oder geistiger Anstrengung
Reduzierte Ausdauer und Kraft, teils schon bei einfachen Alltagsbelastungen
Atembeschwerden, ein Gefühl von „nicht richtig durchatmen können"
Schwindel und Herzrasen beim Aufstehen oder bei Belastung
Muskel- und Gelenkschmerzen
Konzentrationsstörungen, umgangssprachlich „Brain Fog"
Was diese Symptome gemeinsam haben: Sie betreffen nicht ein einzelnes Organ, sondern das Zusammenspiel von Atmung, Kreislauf, autonomem Nervensystem und Belastungstoleranz. Genau hier setzt die Physiotherapie an.
Warum klassisches Training bei Long Covid oft das Falsche ist
Ein Reflex, den wir bei vielen Patientinnen und Patienten beobachten: „Ich muss mich einfach wieder hocharbeiten." Bei Long Covid kann dieser Ansatz die Beschwerden jedoch deutlich verschlimmern.
Der Grund liegt in der Post-Exertional Malaise. Wer über seine individuelle Belastungsgrenze hinausgeht, erlebt häufig nicht direkt, sondern erst 12 bis 48 Stunden später einen deutlichen Rückschlag – mit tagelanger Erschöpfung als Folge. Klassisches Ausdauer- oder Kraftaufbautraining nach dem Prinzip „mehr ist besser" ist deshalb bei Long Covid in vielen Fällen kontraproduktiv.
Die physiotherapeutische Herangehensweise unterscheidet sich davon grundlegend: Statt linearer Belastungssteigerung steht die individuelle Anpassung an die jeweils aktuelle Belastbarkeit im Zentrum – ein Konzept, das in der Fachsprache als Pacing bezeichnet wird.
Pacing: Der zentrale Baustein der Long-Covid-Physiotherapie
Pacing bedeutet, die eigene Energie wie ein begrenztes Budget zu behandeln, das über den Tag und die Woche sinnvoll verteilt wird – statt es an guten Tagen zu „verschwenden" und dafür an schlechten Tagen einen Einbruch zu riskieren.
In der physiotherapeutischen Begleitung arbeiten wir dabei unter anderem mit:
Aktivitätsprotokollen, um Muster zwischen Belastung und Symptomverschlechterung sichtbar zu machen
Pulsgesteuertem Pacing, bei dem die Herzfrequenz als objektiver Indikator genutzt wird, um Überlastung frühzeitig zu erkennen
Mikro-Pausen, die bewusst in Alltagsaktivitäten eingebaut werden, bevor Erschöpfung überhaupt auftritt
Schrittweisem, symptomgeleitetem Belastungsaufbau, der sich nicht an einem starren Plan orientiert, sondern flexibel an den Tagesform angepasst wird
Dieser Ansatz erfordert Geduld – sowohl von dir als auch von uns als Therapeuten. Er kann jedoch helfen, das Auf und Ab der Symptome zu stabilisieren und langfristig wieder mehr Belastung zu ermöglichen, ohne Rückschläge zu provozieren.
Atemtherapie bei Long Covid
Viele Long-Covid-Betroffene berichten von einem Gefühl, „nicht richtig durchatmen" zu können – auch wenn die Lungenfunktion in der Untersuchung unauffällig ist. Das deutet häufig auf ein verändertes, oberflächlicheres Atemmuster hin, das sich während der Akutinfektion eingeschliffen hat und sich danach nicht von selbst zurückbildet.
In der Physiotherapie setzen wir hier gezielt an, etwa mit:
Zwerchfellatmung (Bauchatmung), um die Atemmuskulatur zu entlasten und die Atemtiefe zu verbessern
Atemrhythmustraining, das ein ruhigeres, ökonomischeres Atemmuster fördern kann
Manuellen Techniken zur Mobilisation von Brustkorb und Zwerchfell, wenn die Atembewegung mechanisch eingeschränkt ist
Übungen zur Verbesserung der Sauerstoffaufnahme-Effizienz, die schrittweise und ohne Überforderung gesteigert werden
Diese Massnahmen ersetzen keine ärztliche Abklärung bei anhaltenden oder schweren Atembeschwerden, können aber eine sinnvolle ergänzende Option sein, um das subjektive Atemgefühl im Alltag zu verbessern.
Manuelle Therapie und Beweglichkeit
Nach einer Covid-Infektion berichten viele Patientinnen und Patienten von muskulären Verspannungen, eingeschränkter Beweglichkeit im Brustkorb- und Schulterbereich sowie allgemeiner körperlicher Steifheit – häufig eine Folge von längerer Schonung, veränderter Atemmechanik und reduzierter Aktivität während der Erkrankung.
Manuelle Therapie kann hier ansetzen, um:
Verspannungen in der Atemhilfsmuskulatur zu lösen
die Beweglichkeit von Brustkorb, Schultern und Wirbelsäule zu verbessern
die Körperwahrnehmung wieder zu schärfen, die bei vielen Long-Covid-Betroffenen als „entkoppelt" beschrieben wird
Wie eine physiotherapeutische Behandlung bei Long Covid abläuft
Eine Erstbehandlung beginnt bei uns immer mit einem ausführlichen Gespräch: Wie war dein Verlauf seit der Infektion? Welche Aktivitäten lösen eine Verschlechterung aus, welche werden gut toleriert? Welche ärztlichen Abklärungen liegen bereits vor?
Darauf aufbauend erstellen wir gemeinsam mit dir einen individuellen Behandlungsplan, der typischerweise folgende Elemente kombiniert:
Erfassung der aktuellen Belastungsgrenzen und PEM-Muster
Atemtherapeutische Massnahmen zur Verbesserung von Atemmuster und -effizienz
Manuelle Techniken bei muskulären oder mechanischen Einschränkungen
Individuell dosiertes Pacing mit schrittweiser, symptomgeleiteter Belastungssteigerung
Laufende Anpassung des Plans anhand deiner Rückmeldungen und Fortschritte
Die Behandlungsfrequenz und -dauer richten sich stark nach deinem individuellen Verlauf – bei Long Covid empfehlen wir grundsätzlich einen längerfristigen, geduldigen Prozess statt schneller Lösungen.
Wann eine Kombination mit weiteren Therapieformen sinnvoll sein kann
Long Covid betrifft häufig mehrere Ebenen des Körpers gleichzeitig – die rein muskuloskelettale Physiotherapie deckt deshalb oft nur einen Teil des Bildes ab. In der Praxis sehen wir gute Erfahrungen, wenn die Physiotherapie gezielt mit anderen Ansätzen ergänzt wird:
Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie (IHHT): Während sich die Physiotherapie vor allem auf Atemmuster, Beweglichkeit und Belastungssteuerung konzentriert, setzt IHHT auf zellulärer Ebene an der mitochondrialen Energieproduktion an – einem der meistdiskutierten Erklärungsansätze für die anhaltende Erschöpfung bei Long Covid. Da IHHT im Liegen und ganz ohne körperliche Anstrengung erfolgt, ist sie auch für Menschen mit ausgeprägter Post-Exertional Malaise oft gut verträglich. Wie diese Therapie konkret funktioniert und für wen sie geeignet sein kann, erklären unsere Kollegen vom Gesundheitszentrum Basel ausführlich in ihrem Beitrag zur Long-Covid-Therapie in Basel.
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Akupunktur: Aus TCM-Sicht hinterlässt eine Covid-Infektion häufig ein Muster von Qi- und Yin-Mangel, oft mit Beteiligung von Lunge, Milz und Niere. Akupunktur kann hier ergänzend ansetzen, um den Energiehaushalt von innen zu unterstützen. Mehr dazu findest du auf unserer Seite zu Akupunktur in Basel.
Welche Kombination für dich persönlich sinnvoll ist, besprechen wir individuell – Long Covid verläuft bei jeder Person anders, und entsprechend unterschiedlich sieht auch der Weg zurück in den Alltag aus.
Häufige Fragen zur Long-Covid-Physiotherapie
Kann Physiotherapie Long Covid heilen?
Nein – das wäre ein falsches Versprechen. Physiotherapie kann Symptome wie Atembeschwerden, muskuläre Verspannungen und Belastungsintoleranz gezielt adressieren und dir helfen, deinen Alltag wieder besser zu bewältigen. Sie ersetzt keine ärztliche Abklärung, sondern kann diese sinnvoll begleiten.
Ist Bewegung bei Long Covid generell schlecht?
Nein, aber die Art der Bewegung macht den Unterschied. Unkontrolliertes „Durchbeissen" kann bei bestehender Post-Exertional Malaise zu Rückschlägen führen. Sanftes, individuell dosiertes Pacing mit engmaschiger Anpassung an deine Belastbarkeit ist der deutlich sicherere Weg.
Wie lange dauert die physiotherapeutische Behandlung bei Long Covid in der Regel?
Das ist sehr individuell. Manche Patientinnen und Patienten berichten bereits nach einigen Wochen von spürbaren Verbesserungen, bei anderen ist ein längerer, geduldiger Prozess notwendig. Wir passen die Behandlung laufend an deinen Verlauf an.
Brauche ich eine ärztliche Abklärung, bevor ich mit der Physiotherapie starte?
Bei anhaltenden oder unklaren Beschwerden empfehlen wir grundsätzlich eine ärztliche Abklärung, insbesondere um andere Ursachen auszuschliessen. Im Erstgespräch bei uns klären wir gemeinsam, wie die Physiotherapie sinnvoll in dein Gesamtkonzept eingebunden werden kann.
Wo in Basel kann ich mich physiotherapeutisch bei Long Covid behandeln lassen?
Bei PhysioBasel AG, Oetlingerstrasse 2, 4057 Basel. Du kannst direkt online einen Termin buchen oder uns für ein unverbindliches Erstgespräch kontaktieren.
Du musst dich nicht mit der Erschöpfung abfinden
Auch wenn deine Werte „normal" sind: Eine anhaltend reduzierte Belastbarkeit nach Covid ist real, und es gibt physiotherapeutische Ansätze, die gezielt dabei helfen können, schrittweise wieder mehr Alltag zurückzugewinnen. Wir nehmen uns Zeit, deinen individuellen Verlauf zu verstehen, und entwickeln gemeinsam mit dir einen Behandlungsplan, der zu deiner aktuellen Belastbarkeit passt.
Vereinbare jetzt dein unverbindliches Erstgespräch bei PhysioBasel in Basel.